Blinkys Reise

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Von Ziel und Sinn – Teil 2

Reisen als Familie – 100% Kein Urlaub

Schon das Reisen ohne Kinder, haben wir nicht als Urlaub empfunden. Es entsteht schnell ein Reisealttag, an dem man entweder scheitert oder daran wächst. So werden die einfachsten Dinge wie Wäsche waschen, Einkaufen, Schlafen etc. zu herausfordernden Projekten. Die Art des Reisens spielt hier natürlich auch eine wichtige Rolle. Da wir noch nie die größten Fans von Campingplätzen waren und gerne in der Natur stehen, machen wir es uns auch teilweise schwerer wie notwendig. Aber einfach kann bekannterweise ja jeder 🙂 Da vergeht auch mal ein Tag wie im Flug, obwohl man gefühlt irgendwie nichts geschafft hat 🙂

Zu diesem Reisealltag stellt man sich noch zusätzlich ein Kleinkind und ein Baby vor und so findet man seine Vollzeitbeschäftigung hinter jeder Ecke. Um ein kleines Resümee zu ziehen. Wir sind jetzt seit ca. einem halben Jahr unterwegs und können uns an keine Sekunde erinnern in der wir uns gelangweilt haben oder nicht wussten, was wir jetzt machen sollen 🙂

Wie passt dieser Punkt zum Sinn der Reise? Ganz klar: Wir wollen unsere gemeinsame Zeit teilen und nicht nur uns, sondern auch unseren Kindern gewisse Werte vermitteln. Und wenn es geht, nicht zwischen Tür und Angel. Weil es einfach zu wichtig ist. Manchmal klingt es so salopp gesagt: Kinder sind unsere Zukunft. Aber oft sind diese banalen Sprüche einfach und unkompliziert wahr. Wir gehen unseren Kindern als Beispiel voran und ob wir wollen oder nicht, unsere Kinder gucken sich von uns mehr ab als wir denken. Jenny war schon früher zu dem Punkt gekommen, dass sie deswegen die Bildung und Erziehung nicht einfach so fremden Menschen überlassen will. Dieses Thema ist natürlich in unserer Rangliste stets in der TOP 5. Wie möchten wir unsere Kinder “erziehen”? Welche Werte wollen wir unseren Kindern vermitteln? Was wollen wir aus unserer Erziehung mitnehmen bzw. vermeiden? Welche Schulform ist die Richtige? Gibt es überhaupt eine Schulform, die unsere Erwartungen erfüllt? Wir möchten unsere Kinder nicht einfach in einen alternativen Erziehungs- und Lernprozess stecken, ohne uns vorher über dieses Thema Gedanken gemacht zu haben. Merkt ihr das? Sehr viele Fragen und schwierige Lösungsansätze, die uns oft in Diskussionen leitet. Aber genau deswegen reisen wir als Familie. Über all diese Punkte, hätte ich mir in meinem Alltagsleben keine Gedanken gemacht. Entweder ich hätte die komplette Verantwortung Jenny überlassen und bei den ersten Hindernissen auf die Fehler ihrerseits verwiesen. Sehr einfach. Oder ich hätte die einfachste Methode gewählt und Erziehung und Schulbildung nach dem Prinzip, was ist das nächste und bequemste, gewählt. Roulette 🙂

Diese Reise ist dafür da, um uns als Familie kennen zu lernen. Um die Bedürfnisse des Anderen besser zu verstehen. Um Werte zu vermitteln, die oft auf der Strecke bleiben. Um für einander da zu sein. Um Zeit miteinander zu teilen.

Diese romantische Beschreibung hat aber oft eine andere Maske an. Wir erleben diese Entwicklung 24/7 zusammen und lassen keinen Konflikt links liegen. In unserem 1-Zimmer-Haus, haben wir keine Möglichkeit dem Konflikt zu entgehen und diskutieren, erklären, weinen, lachen, trösten, lieben und streiten uns jeden Tag aufs Neue. Manchmal stelle ich mir vor, einfach auf die Arbeit zu gehen und diese Aufgabe einfach Jenny zu überlassen. Das wäre sicherlich sehr einfach. Doch sehe ich, wie mich diese Zeit als Vater und uns als Familie weiter bringt. Ich bin so froh, dass ich die Möglichkeit habe an diesem Punkt zu stehen und teilweise zu verzweifeln. Denn jeden Abend, wenn Jenny und ich etwas Zeit für uns haben verstehen wir, dass es das ist, was wir wollen. Wir wollen als Familie reisen und jede Berg- und Talfahrt gemeinsam meistern.  

Wollen wir etwas auf der Welt verändern, müssen wir nicht nur Steuern zahlen, spenden, likes setzen und wählen gehen. Wir müssen an uns selbst arbeiten und unsere Kinder sensibilisieren, dass die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt werden und positive Erkenntnisse nicht verdrängt werden. Scheitert die Erziehung so scheitert auch die Zukunft.  

Ziel unserer Reise

Also fassen wir kurz zusammen, was uns antreibt und was wir momentan als Ziel sehen. Wir möchten uns und unsere Mitmenschen hinterfragen. Nicht auf die radikale Schiene, indem wir auf alles verzichten. Sondern mehr bewusst handeln und denken. Wir möchten dem Massenkonsum entfliehen, um wieder Bezug zu den wichtigen Dingen zu bekommen. Wir möchten nach unserer Reise gestärkt herausgehen und als Individuen und als Familie nachhaltig leben und  handeln. Wir möchten den Umgang mit Ressourcen bewusst machen.

Was am Ende wirklich auf uns wartet und wie wir uns entwickeln, steht natürlich in den Sternen. Am Ende ist man doch immer schlauer. Aber Fakt ist, dass wir etwas machen und dass wir uns bewusst für diesen Schritt entschieden haben. Nach den Mottos „Der Weg ist das Ziel“ und „Starr im Ziel, flexibel im Weg“ lassen wir uns treiben und genießen jeden Tag der Reise und unseres Lebens.

Ich würde mich sehr freuen, wenn diese Worte den Einen oder Anderen zum nachdenken bringen.

Beste Grüße aus Epidaurus von uns.

Geschrieben von Johann

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