Die Zeit danach

Die Zeit danach

Mittlerweile haben sich die Meinungen gefestigt. Und das ist auch gut so. Jeder Mensch sollte eine eigene Meinung haben, so entstehen konstruktive Diskussionen und eine Reflektion über verschiedene Themen. Für uns ist es an diesem Punkt wichtig, dass man nicht stur seine Meinung oder auch Weltanschauung bis zum bitteren Ende verteidigt. Wichtiger ist es auch mal hinzuhören und über das Gesagte nachzudenken. Seinen Standpunkt zu hinterfragen und zu reflektieren. Diese Methode kann entweder die Meinung festigen oder in eine andere Richtung lenken. Wie auch immer, es schadet nie über etwas nachzudenken.

Der Knochen an dem wir alle seit mehreren Monaten kauen ist irgendwie schon abgelutscht. Jetzt wird uns langsam ein Thema einholen, dass uns alle betrifft und eine große Masse der Menschen keine Meinungsdifferenzen haben werden. Das steht bereits fest und jetzt geht es nur noch um Schadensbegrenzung.

Es ist nicht abzuweisen, dass einige Sektoren auf der Welt von diesen Ausnahmezuständen am meisten betroffen sind. Tourismus, Gastronomie und “offline” Einzelhandel sind drei Sektoren, die nicht nur unter den Umständen leiden, sondern bereits jetzt in ernsthaften Schwierigkeiten sind. Von hier aus gehen die ersten Konsequenzen aus den Maßnahmen der letzten Monate hervor.

Da wir aber am Anfang des Ganzen stehen sind das jetzt nur die Vorzeichen der Lawine. Ich möchte an diesem Punkt vorwegnehmen, dass ich auch keine Hellseherkugel habe in die ich reinschaue. Aber ich möchte einen Schritt weiter gehen und meine Gedanken äußern und euch anregen Gedanken über die Zukunft zu machen. Auch wenn diese Gedanken nicht mit meinen parallel verlaufen sollten eröffnet es die Möglichkeit einer konsequenten Auseinandersetzung mit dem jetzigen Problem und der Zukunft. Ich finde diese Themen werden im Moment stillschweigend akzeptiert und die Medien haben auch wenig Interesse sich damit zu beschäftigen. Zwar kommen vereinzelnd Meldungen, dass es hier und da gewisse Problemfelder bereits auftun, jedoch kommt im nächsten Moment eine weitere “Horrormeldung” und das Thema ist vom Tisch.

Sehen wir uns mal das Problem des Tourismus und der Gastronomie an. Wir befinden uns hier in Griechenland wo der Tourismus mit 35 Mrd. Euro knapp 20% des BIP ausmacht. Es sind offiziell 934.400 Menschen in dieser Branche beschäftigt (1). Jetzt kann man sich ausmalen was passiert, wenn dieses Jahr der Tourismus zusammenbricht. Griechenland ist bereits seit Jahren finanziell angeschlagen und versucht sich über die Runden zu kommen. Rentenansprüche wurden bereits drastisch gesenkt, viele Menschen haben ihren Arbeitsplatz verloren. Wenn jetzt 20% des BIP’s dieses Jahr wegbleiben und 1 Million Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren ist Griechenland in Not. Es bildet sich ein Ratenschwanz den man sich nicht wirklich mit all seinen Folgen ausmalen kann. Es ist ja nicht nur das Geld was wegbleibt sondern auch die zusätzliche soziale Unterstützung, die benötigt wird. Klar in Deutschland ist dieses Problem bis jetzt weit weg und wir haben die EZB, die dieses Problem bekämpfen möchte mit Allem was notwendig ist. Jedoch trifft es im Moment nicht nur Griechenland sondern die ganze Welt. In weiteren Ländern in der diese Sektoren wichtig sind erscheint die Lage auch nicht gerade rosig. Italien und Spanien sind angeschlagen und steuern auf Maßnahmen zu, die diese Länder ohne fremde Hilfe nicht selbst tragen können. (2) (3)

Überlegen wir mal was das mit uns zu tun hat. Vorerst betrifft es viele Menschen, die Ihren Urlaub umbuchen müssen oder ins Landesinnere verlegen. Ein Luxusproblem das keinen hart trifft. Jedoch befinden sich diese Länder im Euroraum und werden von Steuergeldern und Krediten in dieser Zeit am Leben gehalten. Somit investieren wir, ob wir wollen oder nicht, in diese Länder. Da viele Menschen bereits in Kurzarbeit sind und die Zukunft der Unternehmen nicht für alle rosig aussehen bleibt auch für viele am Ende als Einzige Option Balkonien. Die Folgen:  Auch im Sommer halten sich die regionalen Tourismusaktivitäten im Rahmen.

In der Industrie, dem Handel, dem Dienstleistungssektor sieht es nicht besser aus. Schaut man sich den Geschäftsklimaindex des IFO an sieht man im März einen Einbruch der seit “70 Jahre Umfrage in der Industrie historisch einmalig” ist. Alles Anzeichen die auf eine Rezession hinsteuern. Eine Rezession ist die Abschwungphase in der Konjunktur. Auf die Rezession folgt die Depression. Das ist die Tiefphase der Konjunktur. Und dieses Problem wird uns dann Alle betreffen. Egal welche Meinung man hat. Wenn Arbeitsplätze rar werden und private Insolvenzen drohen, weil man seinen Kredit für das Haus, das Auto, die Küche und was auch immer nicht mehr bezahlen kann. Da wir uns bereits im Umbruch der Industrie befinden ist es rein logisch welche Maßnahmen drohen. Industrie 4.0 ist ein bekanntes und gefeiertes Thema der Branche. Die Konsequenzen sind, dass Menschen Ihren Job verlieren werden und Maschinen Tag und Nacht ohne jegliche Beschwerden arbeiten können. Das ist die Richtung in die höchste Effizienz hinsteuert und die Menschen an dem eigenen Ast sägen auf dem sie sitzen. So erledigen sich Luxusprobleme wie Urlaub, neues Auto und der nächste Restaurantbesuch von alleine.

Wir befinden uns auf einem Scheideweg der Zukunftsgesellschaft. Wie unser Bundespräsident bereits am 16. März sagte “Die Welt danach wird eine andere sein” (4). Denkt mal drüber nach. Wir freuen uns über konstruktive Kritik und Anregungen.

Es kann sich keiner so richtig ausmalen wohin die Reise führt. Ich fürchte aber die Tickets sind bereits bezahlt und die Sitzplätze reserviert.

(1) https://de.statista.com/themen/2017/urlaubsland-griechenland/

(2) https://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/folgen-des-coronavirus-ein-land-vor-der-pleite-italien-steht-durch-die-coronakrise-vor-dem-abgrund/25675918.html?ticket=ST-619017-1fwa9NOoGkRXghrz3xYX-ap6

(3) https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/corona-krise-spanien-1.4877262

(4) https://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Frank-Walter-Steinmeier/Reden/2020/03/200316-Videobotschaft-Coronakrise.html

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