Blinkys Reise

    Gedanken

Von Ziel und Sinn – Teil 1

Habt ihr euch selber mal, gefragt was der Sinn hinter etwas ist?

Fangen wir mal kleiner an und hinterfragen nicht direkt den Sinn des Lebens. Es geht um Momente, um Lebensabschnitte, um Erfahrungen und die Details. Bei uns ist es relativ einfach, da wir einen vorübergehenden Schlussstrich gezogen haben und ein klarer Lebensabschnitt für uns begonnen hat.

Jedoch ist dieses Hinterfragen im Alltagsleben oft sehr schwierig. Wir selber waren in diesem Hamsterrad: 8 bis 17 Uhr arbeiten und am Ende des Tages 1-2 Stunden mit den Kindern genießen. Auf das nächste Wochenende freuen und von Urlaub zu Urlaub hangeln. Wie schnell hat man da ein paar Jahre auf dem Buckel und bemerkt gar nicht, wie schnell die Zeit an einem vorbei zieht. Klar, es gibt Menschen, die geben sich mit diesem Leben zufrieden. Wir gehören definitiv nicht zu dieser Sorte. Uns haben mehrere Faktoren zu dieser Reise bewegt. Weniger die Aussicht auf tolle Landschaften oder an Orte zu kommen, die sonst unerreichbar scheinen. Mehr aber um uns Selbst wieder zu finden, Zeit mit der Familie und mit dem Partner zu verbringen. Die tollen Landschaften, Kulturen, Mitmenschen und alles, was sonst noch hinzukommt gibt es on top.

Da ich dieses Thema nicht „by the way“ aufgreifen will, werde ich den Inhalt etwas unterteilen, damit ihr mir hoffentlich besser folgen könnt. Für uns ist es ein wesentlicher Punkt unserer Gespräche und unserer Gedanken.

Motivation zum Reisen – Wir finden zu uns

Wow. Unsere erste Reise ist gar nicht solange her. Vor 6 Jahren fuhren wir noch zu viert mit dem Nugget durch insgesamt 27 Länder und haben uns 13 Monate Zeit gelassen. Seit dem hat sich, nach unserem Empfinden, so viel verändert. Und wie es im Leben so ist, nicht immer zum Positiven. Damals haben wir gefühlt nur Rentner getroffen und selten Menschen, die “aus dem System ausgestiegen” sind. Whatsapp wurde nur spärlich benutzt. Mobiles Internet brauchte man nicht und die WLAN Versorgung in Gaststätten reichte uns vollkommen aus. Was war damals unsere Motivation? Wir waren fertig (bzw. fast) mit dem Studium und wollten, bevor der Sprung ins Arbeitsleben beginnt, die Welt sehen. Wir wollten über den Tellerrand hinausschauen und fremde Kulturen erleben. Wir wollten mit unseren Gedanken frei sein und dachten nicht viel nach, was diese Reise mit uns macht.

2019 hat sich einiges geändert. Nicht nur bei uns. Wir erleben, dass immer mehr Menschen sich eine Auszeit nehmen und mit dem Wohnmobil unterwegs sind. Von Spanien und Portugal hören wir, dass diese Länder in den Wintermonaten komplett überlaufen sind. Jeder versucht den anderen zu toppen. Die Hälfte der Reisenden, die wir getroffen haben, ist in die Mongolei unterwegs. Irgendwie versucht jeder aus dem System zu entkommen und mit Instagram und Co. irgendeine finanzielle Unabhängigkeit zu bekommen. Für mich stellt sich die Frage, warum all diese Menschen aus dem System entfliehen wollen, welches ihnen diese Auszeit (evtl.) ermöglicht. Sollte man nicht eher diese Zeit nutzen, um sich selber zu hinterfragen und mit neuer Erkenntnis und Motivation “das System” zu verbessern? Wenn wir zu allem immer nein gesagt hätten, würden wir jetzt noch immer jeden Tag am Lagerfeuer sitzen und am nächsten Tag Beeren sammeln und jagen gehen.

Unsere Motivation wurde für eine kurze Zeit von diesem kommerziellen Gedanken mitgeprägt. Auch wir haben einen Instagram Account angelegt und Firmen zum Sponsoring angeschrieben. Jedoch  haben wir schnell gemerkt, dass wir einfach zu “normal” sind, um in dieser hochpolierten Reisewelt aufzufallen. Und wir sind froh, dass wir unsere Zeit für uns nutzen können. Wir möchten uns sortieren. Oft kommen Fragen, warum wir nicht noch ferner reisen? Warum sollen wir? Geographisch ist für uns nur wichtig, dass es warm ist. Hier haben wir alles, was wir brauchen: Zeit und uns. Der Rest kommt von alleine 🙂

Reset – Das Fundament unserer Reise

Nicht nur wir bringen im Moment Anastasia und Jacob viel bei. Kinder können auch uns etwas beibringen. Die Leichtigkeit, Lebensfreude und Neugier, die Anastasia jeden Tag versprüht ist, einfach ansteckend. Unser Kleiner ist zwar erst 9 Monate alt, doch zeigt auch er uns, was wir in unserem Erwachsensein verlernt haben. So sieht man ihn oft einfach mal 1 Minute lang in die Luft starren. Das ist ein Stillpunkt, den Babys benutzen, um die Inputs zu verarbeiten, sich selbst zu sortieren, um dann neue Aktionen aufnehmen zu können. Diese Eigenschaft wird in unserer Entwicklung zum Erwachsenen gezielt verlernt. Ich erinnere mich noch an die Momente in der Schule. Starrt man zu lange aus dem Fenster und denkt an Nichts, so wird man sofort vom Lehrer in die Mangel genommen. Konzentrier dich auf dies, mach das usw. Diese Eigenschaft sich selber zu „reseten“, um wieder voll aufnahmefähig zu sein, wird hier unterdrückt. Dieser Druck und die Erwartungen verfolgen einen bis zum Arbeitsleben. Das Szenario, wenn der Vorgesetzte den Raum betritt und man sich stets bemüht so auszusehen, als ob man irgendetwas tut. Kennt das jemand? Warum muss man auf der Arbeit immer 100% fokussiert sein? Kann der Mensch das überhaupt – 5 bis 6 Tage die Woche, 8-10 Stunden am Tag? Und als Entspannung gibt es dann den Sonntag, um sich montags wieder in diesen Trott zu begeben. Wäre ich Arbeitgeber würde ich mir eher Angestellte wünschen, die nicht nur so tun müssten, dass sie beschäftigt sind, sondern dann wenn es darauf ankommt die Energie und Motivation an den Tag legen zu können. Ich glaube moderne Firmen haben es mittlerweile Verstanden. Oder wie kommt sonst ein Billardtisch, eine Rutsche oder eine Chilllounge in ein Bürokomplex?

Ich sehe diese Reise als ein großen Reset für mich und meine Familie. Klar, noch sind wir relativ jung und unsere Jobs haben uns voll erfüllt. Wir mussten keine Auszeit nehmen, weil wir kurz vom Burnout standen oder wir in dem was wir tun nicht zufrieden waren. Die Frage ist nur die: Wollen wir jemals an diesen Punkt kommen? Und hier genau liegt der Schlüssel. Ich vergleich das immer gerne mit dem Hausbau. Jeder weiß, dass das Fundament entscheidend ist. Wir können noch so schöne Häuser bauen, wackelt das Fundament, bricht alles ein. Und an diesem Punkt befinden wir uns. Und ich möchte mir und meiner Familie die Zeit geben, unseren Lebensentwurf bewusst anzuschauen, mit anderen Menschen darüber zu diskutieren, um dann wieder weiter zu bauen, oder die Zeichnung nochmal zu korrigieren, falls notwendig. Für dieses Projekt sind vier Aspekte grundlegend: Mut, Zeit, Geduld und die richtigen Mitmenschen. 

Es schreibt Johann

Fortsetzung folgt…

 

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