Unterwegs im Risikogebiet Mazedonien

Unterwegs im Risikogebiet Mazedonien

Fühlt sich irgendwie komisch an alleine ein Land zu betreten.  Naja, so alleine bin ich nicht. Immerhin ist noch Chica, Balu und Casi mit an Bord. Das wären dann mit mir vier. Aber die anderen Wegbegleiter werden ja demnächst dazu stoßen.  Es war an der Zeit das Land zu wechseln. Es war an der Zeit die gemachte Komfortzone in Griechenland zu verlassen. Es war an der Zeit, die Angst vor dem Ungewissen hinter sich zu bringen und damit das Reisen nicht durch Andere zu beeinflussen. Denn Reisen ist Freiheit. Und obwohl ich anfänglich eher „schockiert“ war und lieber wieder nach Griechenland wollte ist es jetzt beschlossene Sache.

Aber mal der Reihe nach. Mit dem Ziel Ohrid See bin ich über die Grenze und war eher verwundert wie easy es doch ging. Man liest von langen Schlangen an den Grenzübergängen, Tests, bla bla bla. An der Grenze war ich komplett alleine. Papiere angeschaut, kurz in den Camper geguckt und den Kindersitz vorne stutzig bemerkt. Reisen Sie alleine? Ja. Okay dann können Sie weiter. Und dann kam das „böse Erwachen“. In der Stadt Bitola wollte ich eine SIM-Karte holen. Jedoch kamen mir schon Menschen im Auto mit Masken entgegen und in der Stadt selber wimmelte es nur so von Ärzten. In den Laden durfte ich ohne Maske nicht rein, also ging ich weiter. Irgendwo kriege ich sicherlich was ich brauche. An der Tankstelle: gleiches Bild. Ohne Maske kein Eintritt. Somit gab ich meine Visakarte ab. Als diese doch eine PIN brauchte, kam der Service zu mir raus. Okay geht also auch so. Das Erstaunliche ist, dass es ein Kontrast wie Tag und Nacht zu Griechenland ist. In Griechenland brauchten wir nirgendswo eine Maske. Selbst bei einem kurzen Krankenhausaufenthalt kriegten wir eine Maske im Eingangsbereich und setzten diese im Krankenhaus wieder ab. Zu bemerken: Griechenland hat laut Zahlen eine der niedrigsten Infektionswerte in Europa.  Naja, jetzt war das ja Geschichte und ich musste mich an diese Maskerade gewöhnen. Wenn ich krank wäre würde ich Kontakt zu fremden Menschen und in der Familie meiden und wenn ich Angst hätte dann würde ich mich zu Hause einschließen. Beides ist nicht der Fall. Solange ich ein freier Mensch bin werde ich mich nicht von sinnlosen Maßnahmen, die teilweise nur durch Geldstrafen aufrecht erhalten werden können, verängstlichen lassen.

An dieser Stelle möchte ich auf einen interessanten Aspekt eingehen den wir jetzt auf der Reise beobachten. Es ist wie ein Keil, der zwischen die verschiedenen Gesellschaftsschichten und Kulturen getrieben wird. Das Resultat ist Angst, Hass und Vorurteile. Kennt man doch von irgendwo, oder? Auf welche Weise kriegen wir das mit? In Deutschland wird ständig davor gewarnt in die Risikogebiete zu fliegen, dort Urlaub zu machen. Hier sind große Risiken sich anstecken zu lassen und das Ganze wieder nach Deutschland zu bringen. In den Ländern wie Griechenland oder Mazedonien ist es so: Die Menschen haben Angst vor den Touristen (auch vor Deutschen), weil diese den Virus mit sich bringen und die Einheimischen anstecken. Das ist die professionelle Arbeit der Medien, die die Menschen gegeneinander aufbringt. Hat man wie wir zum Beispiel die Möglichkeit beide, dieser Einflüsse zu kennen ist es sehr irritierend und angsteinflößend zu sehen, wie manipulativ jede Situation gestaltet werden kann.

Hass und Vorurteile enstehen im Unterbewusstsein. Das Leben spiegelt deine Gedanken und dein Handeln. Diese Gedanken können auch durch Andere erzeugt werden. Für dein Handel aber bist nur du selbst verantwortlich.

Ich würde mich gerne nur auf Reiseberichte konzentrieren und dieses Thema außen vor lassen, da es ja bereits genug behandelt wird. Aber das ist auch ein großer Teil der Reise. Das Finden zu sich selber und das Verstehen wollen. Wir haben bereits so viele tolle Menschen kennengelernt und so viele gemeinsame Gespräche mit Jenny gehabt, dass es etwas mit uns tut. Unsere Kinder öffnen uns Tag für Tag die Augen. Das ist der Teil des Reisens, der uns  von Anfang an begeistert hat. Das ist warum wir unterwegs sind und auf jegliche tolle Sachen, die wir uns in Deutschland „aufgebaut“ haben einfach verzichten können. Ein  besonderer Mensch  hat ein Wort für mich geprägt. Viele träumen vom „Ausstieg“ aus dem normalen Leben. Dieses Wort ist das Falsche dafür. Es ist ein „Einstieg“ ins Leben.

Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist sieht immer nur eine Seite davon.

Augustinus Aurelius

So wer jetzt noch dabei ist, dem berichte ich ein wenig aus Mazedonien. Eigentlich Nordmazedonien, da Mazedonien eine Provinz in Griechenland ist mit der Hauptstadt Thessaloniki. Das ist eine alte Geschichte und einige Griechen sind nicht sehr froh, dass Nordmazedonien ein souveräner Staat geworden ist. Die Landschaft ist, bereits wie in Nordgriechenland begonnen, ein Traum. Nicht das der Rest Griechenland „schlecht“ war. Aber hier wird das Verhältnis Mensch:Fläche immer kleiner und die Natur ist in einem beinahe unberührten Zustand. Mich erinnert es sehr an Russland und ist wahrscheinlich auch der Grund warum ich mich hier so wohl fühle. Wälder sind noch richtige Wälder. Außer der Müll, aber der ist ja von Menschenhand. Und dieses Thema verfolgt uns bereits seid Montenegro. Hier gibt es ein Spruch „Walkan Balkan“ was so viel heißt wie „dreckiger Balkan“. Und wenn es sowas in der eigenen Sprache als Spruch gibt, sagt es vieles aus. Es gibt viele Menschen, die versuchen das Ganze in den Griff zu bekommen und gegen diese Müllberge was zu tun. Jedoch ist es ein großes Generationsproblem hier. Solange die Eltern den Kindern negative Einstellungen übermitteln sind es einfach zu viele, denen dieses Thema komplett egal ist. Dabei könnte ich heulen wenn ich sehe welch schöne Natur hier ist und wie egal es für die Menschen ist. Aber auch klar. Die Menschen haben hier andere Sorgen als wir „Industriemenschen“. Hier wird auch immer mehr deutlich im welchen Luxus wir leben und diesen gar nicht mehr wahrnehmen. Die alte Geschichte von der Made im Speck und Made in Germany.

Ich verbrachte einige Zeit am Ohridsee und genoss die Zeit für mich zu haben und diese nach Lust und Laune aufzuteilen. Für mich war es nicht wichtig, dass ich vieles erleben muss. Ich suchte vielmehr eine Stelle an der ich ungestört Zeit genießen kann. Die Stelle erwies sich während der Woche als ideal dazu. Am Wochenende stand ich jedoch mitten im Geschehen. Da die Menschen hier sehr gerne grillen und picknicken sind Plätze, die wie verlassen aussehen am Wochenende gerne Anlaufpunkt von sehr vielen Familien. Und so kam ich zu der Ehre neben mir paar ältere Damen und Herren zu haben, die mich durch speisen wollten und mit der Balalaika (oder so ähnlich) mazedonische Lieder sangen. Ein Traum. Der See selber ist klar und kalt. Da dieser von Bergen umschlossen ist gibt es viele Zuflüsse aus den Quellen und das gibt dem See eine einzigartige Wasserqualität.  Dieses ist aber auch von den Einheimischen nicht verborgen geblieben und somit ist an fast jeder guten Stelle am See auch der Tourismus angekommen.

Nach einiger Zeit machte ich mich auf zum Pelister Nationalpark. Vorbei an Tabakplantagen und Sonnenblumenfeldern .Hier wollte ich meinen Drang nachkommen mal wieder in die Berge zu gehen. Bereits vor Jahren verbrachte ich mit einem Freund ein Kurzurlaub um in den Bergen von Südtirol zu wandern. Seitdem bin ich ein großer Fan. Und ich wurde nicht enttäuscht. Der ganze Park ist voll von interessanten Wanderwegen und es gibt sehr schöne Aufstiege bis zu den Berggipfeln. Auch über den Bergkamm kann man wandern und etliche Stationen bieten Übernachtungsmöglichkeiten für mehrtägige Wandertouren. Hier kann man übrigens preisgünstig und gut Skiurlaub machen. Wäre auf jeden Fall eine Alternative zu den üblichen Verdächtigen, die man sonst im Winter ansteuert.

Nachdem ich so ziemlich jeden Pfad von beiden Seiten gegangen bin und mein Lebensmittel- und Wasservorrat gleich Null war, entschloss ich weiter zu fahren. Das Ziel: Der Mavrovo Nationalpark. Hier fand ich an einem Stausee einen tollen schattigen Platz unter einem Apfelbaum. Also halbschattig. Bei den Temperaturen ist im Moment Schatten Goldwert. Leider ist unser flexibles Solarpanel in Deutschland beim Anbieter. Somit muss ich wenigstens ein Teil des Tages in der prallen Sonne stehen, um über die Dachanlage Strom zu bekommen. Und jetzt wird es langweilig für viele. Ich habe an dieser Stelle bis ich keine Vorräte mehr hatte einfach nichts gemacht. Einfach viel gewandert, viele Gedanken gemacht, viel gelesen und einfach das Leben genossen. Oft werden wir gefragt: Ist das nicht langweilig für euch? Nein ist es nicht. Der Mensch hat es verlernt gelangweilt zu sein. Man wird ständig von rechts und links bespaßt und findet mit dem Smartphone in jeder Situation die Möglichkeit sich der Langeweile zu entziehen. Dabei ist Langeweile gerade auch bei Kindern sehr wichtig für die Kreativität. Man kommt zu einem Punkt der selbstständiges Interesse weckt und eine Motivation entwickelt die von außen nicht beeinflusst ist. Sei es sich mit der Natur, Kulturen, Sprachen, sich selber oder anderen Dingen auseinander zu setzen. Es wird einem nie langweilig wenn man das Ganze aus reiner Selbstüberzeugung macht. Und ich bin der festen Überzeugung wenn man diese Denkweise und Energie in die Arbeitswelt überträgt, dass man für sich und seiner Umwelt deutlich mehr erreicht.

Nächstes Ziel ist es Richtung Skopje zu fahren, da hier der Rest der Bande bald ankommt.

Ich hoffe es hat euch gefallen den Artikel zu lesen und verbleibe mit einem Satz der aktueller denn je ist:

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Manfred Keil
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Manfred Keil

Ihr seid großartig!!